Der Bleistift liegt in meiner Hand wie ein Schreibwerkzeug. Ich schreibezeichne eine Linie. Ohne Druck, achtsam und
ruhig, als ginge es darum, eine magische Handlung zu vollziehen. Ich beobachte, wie die Linie entsteht. Ich bin ganz
Auge und ganz Hand. Ich lausche auf das Echo der Linie in mir. Leise, kaum hörbar, bringt dieses Echo den Raum zwischen
Augen und Hand zum Klingen. Ich bin ganz da.
Ich lasse die Linie ihre Richtung ändern: nach oben, nach links, nach unten, nach rechts. Ein Raum entsteht, den
ich mit den Gedanken, Empfindungen und Erinnerungen fülle, die sich einstellen. Die Zeichnung wächst, breitet sich aus.
Ich beschleunige die Bewegung des Bleistifts, verstärke den Druck. Ich lasse den Stift kreisen, klopfe einen Rhythmus
ins Papier. Der Bleistift wird zur Nadel, die Linie zum Faden, mit dem ich verbinde und zusammennähe.
Ateliernotiz, November 2008